- Grundlagen
- By Roberto Ki
Playing to Win: Lafley und Martins Strategieframework
tl;dr
- Playing to Win von A.G. Lafley und Roger Martin ist ein Strategieframework, das Strategie als Kaskade aus fünf verbundenen Entscheidungen strukturiert: Winning Aspiration, Where to Play, How to Win, Capabilities und Management Systems — die strategische Wahlkaskade als Hebelpunkt-Entscheidung zeigt, wo im Entscheidungsstrom der größte Hebeleffekt liegt.
- Ohne klare Entscheidungen in allen fünf Kaskadenstufen hat ein Unternehmen keine Strategie — nur Ambitionen, Ziele oder Programme.
- Wer die Wahlkaskade beherrscht, kann jedes Geschäftsmodell auf strategische Kohärenz prüfen — ob Where-to-Play-Entscheidung und How-to-Win-Ansatz zusammenpassen und ob die Fähigkeiten die Strategie tragen.
Was ist Playing to Win?
Playing to Win Roger Martin — so suchen Strategen nach dem Framework, das Strategie als integriertes Entscheidungsset definiert. Playing to Win ist ein Strategieframework von A.G. Lafley und Roger Martin, publiziert 2013. Lafley war zweimal CEO von Procter & Gamble, Martin war Dean der Rotman School of Management. Das Framework definiert Strategie als „an integrated set of choices that uniquely positions the firm in its industry so as to create sustainable advantage and superior value relative to the competition.”
Die strategische Wahlkaskade als Hebelpunkt-Entscheidung bedeutet: Die fünf Kaskadenstufen sind nicht gleichwertig. In jeder strategischen Situation gibt es eine Stufe, deren Klärung den größten Hebeleffekt auf alle anderen hat — typischerweise „Where to Play” und „How to Win.” Wer das Spielfeld falsch wählt, kann nicht gewinnen — egal wie gut die Fähigkeiten sind.
Lafley macht die Abgrenzung explizit: „Grow or grow faster is not a strategy. Build market share is not a strategy. Ten percent earnings-per-share growth is not a strategy. A strategy is a coordinated and integrated set of where-to-play, how-to-win, core capability, and management system choices.”
Die Strategy Choice Cascade — 5 Fragen in Playing to Win
Die Strategy Choice Cascade ist das Herzstück von Playing to Win — fünf Fragen, die jede Strategie beantworten muss und die zusammen eine verstärkende Kaskade bilden.
1. Winning Aspiration — Wofür spielen wir?
Die Winning Aspiration definiert den Zweck und den Anspruch: Wollen wir gewinnen oder nur mitspielen? Lafley und Martin warnen: „A too-modest aspiration is far more dangerous than a too-lofty one.” GMs Saturn illustriert die Gefahr: Saturn wollte nur „teilnehmen” am Kleinwagensegment. Toyota, Honda und Nissan wollten gewinnen. Nach 20 Milliarden Dollar Verlust über zwei Jahrzehnte wurde Saturn eingestellt. „Saturn died, not because it made bad cars, but because its aspirations were simply too modest.”
2. Where to Play — Wo spielen wir?
Where to Play definiert das Spielfeld: Welche Märkte, Kundensegmente, Kanäle und Geographien wählt das Unternehmen — und welche nicht? P&Gs Olay-Transformation zeigt die Kraft der Spielfeld-Entscheidung: Statt im schrumpfenden Segment für Frauen über 50 zu bleiben, schuf Olay ein neues „Masstige”-Segment — Prestige-Qualität im Massenmarkt-Kanal, zum Preis von 18,99 Dollar. Der Preis war bewusst gewählt: 12,99 Dollar zog nur Massenkäufer an, 15,99 Dollar war Niemandsland, aber 18,99 Dollar zog Mass- UND Prestige-Käufer an. Olay wuchs vom 800-Millionen-Dollar- zum 2,5-Milliarden-Dollar-Brand.
3. How to Win — Wie gewinnen wir?
How to Win definiert den Wettbewerbsvorteil auf dem gewählten Spielfeld. Lafley und Martin sind kategorisch: „Due to the fundamental microeconomics of business, there are only two ways to win: higher margin through lower cost or higher margin through differentiation.” Die Entscheidung ist binär — aber die Ausführung ist unendlich vielfältig.
4. Capabilities — Welche Fähigkeiten brauchen wir?
In Playing to Win sind Capabilities die Fähigkeiten, die Where to Play und How to Win ermöglichen. P&G identifiziert fünf Kernfähigkeiten: tiefes Kundenverständnis, Innovation, Markenführung, Go-to-Market-Fähigkeit und globale Skalierung. Diese fünf wirken als „verstärkende Stäbe” — einzeln stark, in Kombination unüberwindbar.
5. Management Systems — Welche Systeme unterstützen die Strategie?
Management Systems in Playing to Win sind die Strukturen, Prozesse und Messsysteme, die die Fähigkeiten aufrechterhalten und die Entscheidungen der Kaskade operationalisieren. P&G nutzt dafür das OGSM-System (Objectives, Goals, Strategies, Measures), das jede Geschäftseinheit an die Gesamtstrategie koppelt. Ohne passende Systeme bleiben Capabilities Absichtserklärungen.
Integrative Thinking — die kognitive Grundlage
Martin nennt die kognitive Grundlage von Playing to Win „Integrative Thinking” — die Fähigkeit, zwei widersprüchliche strategische Optionen gleichzeitig zu halten, statt eine sofort zu verwerfen. Statt „entweder/oder” sucht Integrative Thinking nach „sowohl/als auch”: Olay wählte weder den reinen Massenmarkt noch das reine Prestige-Segment, sondern schuf eine dritte Option — „Masstige” — die beide integrierte.
Die „What Would Have to Be True?”-Methode
Roger Martins kraftvollster Beitrag ist eine Entscheidungsmethode: Statt Pro-und-Contra-Debatten, die in Advocacy-Konflikte münden, fragt jede strategische Option: „What would have to be true for this option to work?” Die Methode identifiziert für jede Option die unwahrscheinlichsten Bedingungen (Barrier Conditions) und testet sie systematisch. Martin: „I used the most important question in strategy — what would have to be true? — to build an entirely new methodology for thinking through choices.”
Abgrenzung zu verwandten Frameworks
Playing to Win ist nicht dasselbe wie Porters Five Forces
Playing to Win ist ein Entscheidungsframework, das definiert, WO und WIE ein Unternehmen gewinnen will, während Porters Five Forces ein Analyseframework ist, das die Attraktivität einer Branche bewertet. Playing to Win nutzt Porters Analyse als Input für die „Where to Play”-Entscheidung — geht aber darüber hinaus, weil es konkrete Entscheidungen verlangt, nicht nur Analyse.
Playing to Win ist nicht dasselbe wie Blue Ocean Strategy
Playing to Win ist ein Framework für integrierte strategische Entscheidungen über fünf Kaskadenstufen, während Blue Ocean Strategy eine Methode zur Schaffung neuer Markträume ist. Playing to Win kann eine Blue-Ocean-Entscheidung einbetten (Olay schuf ein „Masstige”-Segment) — aber es umfasst auch die Fähigkeiten und Systeme, die nötig sind, um auf dem neuen Markt zu gewinnen.
Playing to Win ist nicht dasselbe wie Good Strategy Bad Strategy
Playing to Win ist ein Entscheidungsframework mit fünf kaskadierenden Fragen, während Rumelts „Good Strategy Bad Strategy” ein Diagnose-Framework mit dem Strategie-Kernel (Diagnose, Leitlinie, kohärente Maßnahmen) ist. Rumelt beginnt mit der Frage „Was ist das Problem?”, Lafley und Martin beginnen mit „Was wollen wir gewinnen?” Beide sind komplementär — Rumelts Diagnose informiert Martins Wahlkaskade.
Playing to Win in der Praxis
Aydoo nutzt in der Strategieberatung die Choice Cascade als Strukturierungswerkzeug: Die fünf Fragen zwingen jede Strategie in eine kohärente Form — von der Winning Aspiration über die Spielfeldwahl bis zur Fähigkeitenanalyse. Die Strategische Analyse liefert die Daten für die „Where to Play”-Entscheidung, die Strategieentwicklung formuliert die „How to Win”-Antwort.
Fazit
Playing to Win ist ein Strategieframework, das Strategie als Kaskade aus fünf verbundenen Entscheidungen strukturiert. Die strategische Wahlkaskade als Hebelpunkt-Entscheidung zeigt: In jeder Strategie gibt es eine Kaskadenstufe, deren Klärung den größten Effekt auf alle anderen hat. Lafley und Martin: „Strategy is choice — and nothing less.”
Strategisches Denken liefert die kognitive Grundlage für die Wahlkaskade. Die Unternehmensstrategie bestimmt den Rahmen, in dem die fünf Fragen beantwortet werden. Und Good Strategy Bad Strategy ergänzt die Wahlkaskade um Rumelts Diagnoseprinzip — denn die richtige Antwort auf „Where to Play” setzt voraus, dass die zentrale Herausforderung verstanden ist.
Quellen
- Lafley, A.G.; Martin, Roger: Playing to Win: How Strategy Really Works. Harvard Business Review Press, 2013.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Playing to Win?
Playing to Win ist ein Strategieframework von A.G. Lafley (CEO von Procter & Gamble) und Roger Martin. Es strukturiert Strategie als Kaskade aus fünf verbundenen Entscheidungen: Winning Aspiration, Where to Play, How to Win, Capabilities und Management Systems. Die Kernaussage: Strategie ist ein integriertes Set von Entscheidungen, die das Unternehmen einzigartig positionieren.
Was ist die Strategy Choice Cascade?
Die Strategy Choice Cascade ist das Herzstück von Playing to Win — fünf Fragen, die jede Strategie beantworten muss: (1) Was ist unsere Winning Aspiration? (2) Wo spielen wir? (3) Wie gewinnen wir? (4) Welche Fähigkeiten brauchen wir? (5) Welche Managementsysteme unterstützen die Fähigkeiten? Die Antworten bilden eine verstärkende Kaskade — jede Entscheidung beeinflusst die anderen.
Was bedeutet „Where to Play" und „How to Win"?
„Where to Play” definiert das Spielfeld: Welche Märkte, Kundensegmente, Kanäle und Geographien wählt das Unternehmen? „How to Win” definiert den Wettbewerbsvorteil auf diesem Spielfeld: durch Kostenführerschaft oder durch Differenzierung. Es gibt nur zwei Wege zu gewinnen — niedrigere Kosten oder höheren Wert für den Kunden.
Wie unterscheidet sich Playing to Win von Porters Five Forces?
Playing to Win ist ein Entscheidungsframework für die eigene Strategie — es beantwortet, WO und WIE ein Unternehmen gewinnen will. Porters Five Forces ist ein Analyseframework für die Branchenstruktur — es beantwortet, wie attraktiv eine Branche ist. Playing to Win nutzt Porters Analyse als Input, geht aber darüber hinaus: Es verlangt konkrete Entscheidungen, nicht nur Analyse.
Was ist die „What Would Have to Be True?"-Methode?
„What Would Have to Be True?” ist Roger Martins Methode zur Entscheidungsfindung in strategischen Fragen. Statt Pro-und-Contra-Debatten zu führen, fragt jede Option: Welche Bedingungen müssten wahr sein, damit diese Option funktioniert? Die unwahrscheinlichsten Bedingungen werden getestet. Das verwandelt Advocacy-Konflikte in kollaborative Untersuchung.
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